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Inhalte des Lesebuches Skizzen |
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Sammlung von Ideen
Ob sie jemals Eingang in ein größeres Werk finden, weiß ich nicht. Ob ich jemals viele solche Skizzen schreiben werde, weiß ich nicht. Aber ich hatte da mal zwei und ich denke, ich bereite weitere Plätze für neue Skizzen auf dieser Seite vor, möglicherweise kann diese Seite damit bereichert werden.
Überblick: zurück zum Lesesaal
Da sitzt sie. Auf der Bank. Die Sonne scheint schon ganz flach, von der Seite. Eigentlich sehe ich nur eine Hälfte ihres Gesichts, die andere ist Schatten. Das hat das Abendlicht so an sich. Schön
ist sie. Viel zu leicht lässt sie meinen Blick verirren. Die Augen sind
es, die sie so anziehend machen, dass ich nicht davon ablassen kann, sie
zu studieren. Ihre Weiblichkeit strahlt aus. Alles scheint irgendwie zu
stimmen, und dann ist da noch das Haar. Lang und schwarz tanzt es im letzten
Wind, der ihr Antlitz extra für mich freizulegen scheint. Sie
spricht mit dem jungen Mann. Er sitzt ihr gegenüber, genau wie sie, auf
einer schmalen Bank. Zu beiden Seiten haben sie die Beine. Sie scheinen
ein lustiges Gespräch zu führen, ein Glas Wein ist auch dabei ...
Langsam
wandert die Sonne über mir dahin. Von links nach rechts verschwindet ihr
Schein, und schon wird es für einen kurzen Moment kühler. Hier oben ist
sie da, die Kälte der Höhe. So lange die Sonne nicht in die glasklare
Kabine des Flugzeuges scheint, ist nur die Kühle der Höhenluft zu spüren.
Und sie ist da, die Freiheit. Die Freiheit, losgelöst über allem zu
schweben, dahinzugleiten in die unendliche Welt des Himmelsblaus, eine
Freiheit, von der ich in diesen Momenten nicht zu träumen brauche, die
Freiheit, mit eigenem Willen von den Mächten der Natur getragen, von so
vielem irdischen losgelöst zu sein.
Ich
darf sie wieder einmal genießen. Verlieren könnte ich mich in diesem
Augenblick. Ein wenig mehr das Seitenruderpedal nach links treten, das
Flugzeug will nicht freiwillig in diesen engen Kreis hinein! Ich muß
aufpassen. Gerade noch verhieß mir das Variometer ein einmaliges Steigen
von satten 4 Metern in der Sekunde und schon wieder scheint der Zeiger des
kleinen Gerätes vor mir jeden Respekt verloren zu haben. Genau in dem
Moment, als mich die Sonne nach der halben Umdrehung wieder erwärmt,
pendelt der Zeiger nur um die Zwei herum. Wenn wieder der eigene Schatten
des Flugzeuges in die Kabine fällt, müsste ich in dem Bereich des
Thermikkreises sein, der mehr Steigen verheißt. Gleich
ist es wieder so weit. Ich lasse in Querlage und Drehung etwas nach,
zwinge das Flugzeug etwas weniger in den Kreis und fliege flacher auf Südosten
zu - und schon, wer hat es anders gedacht, stimmt alles wieder. Mit
sanftem Druck auf Steuerknüppel und Pedale führe ich die Maschine aus
Plastik und Holz wieder steiler in das Steigen hinein, und spüre, wie es
mich in den Sitz drückt, wie die Erde unter mir wegmarschiert. Schon geht
es mit unvermittelter Kraft wieder stärker nach oben.
Ich
brauche mir keine Sorgen zu machen, der Bart hält was er verspricht.
Warum eigentlich sagen wir Segelflieger „Bart“ zur Thermik? Während
ich das so denke, merke ich, dass die Wolke neben mir langsam mit ihren
ersten Fetzen nach mir greift. So schnell ging das diesmal. Die Höhe ist
gut, noch einen Kreis und noch einen, schon kann ich weiterfliegen. Nach
Osten führt mich der Weg. Den Knüppel nach rechts und leicht nach vorn,
die Nase runter auf die Erde zu und los, raus aus dem Kreis! Auf, nach
vorn! Wie das abgeht! Kaum habe ich Fahrt aufgenommen, schon scheint es
merklich weniger nach unten zu gehen als beim Nachdrücken, als ich die
Thermik gerade verlassen hatte. Es geht vorwärts. Unaufhaltsam, immer
vorwärts. Eine kleine Korrektur der Richtung, Knüppel und Pedale nach
rechts - in die Mitte - warten - wieder nach links und schon stimmt, was
der Kompass anzeigt. 95 Grad und ich komme meinem nächsten Ziel näher.
Schön
ist das. Die Sonne rechts im Rücken. Da sieht die Welt so herrlich sauber
und markant aus. Die rechte Wolke, etwa zwei Kilometer vor mir, scheint
sogar etwas tiefer zu hängen, ihr reines Weiß hebt sich hier oben
stechend scharf vom dem einmalig tiefen Blau des Himmels ab. Er muss
unendlich sein. Dass
mir diese Unendlichkeit nicht unendlich vergönnt ist, spüre ich am Höhenmesser.
Was ist schon unendlich? Das Leben nicht, die Wahrheit nicht und auch
nicht das Fliegen. Schon ist wieder mehr Skalenbereich des Höhenmessers
rechts vom Zeiger, er hat sich auf die andere Drehrichtung eingestellt.
Macht nichts, heute geht es gut! Ich werde wieder etwas von der Luft
finden, die mich nach oben bringt, die sich von der riesigen Kraft der
Sonne aufgeheizt, vom Boden gelöst hat und mit mir und meinem Flugzeug
darin nach oben steigt. Überall
stehen sie herum, diese Bärte, man muss nur das richtige Geschick
aufwenden, um sie zu finden, um den Kreis an der richtigen Stelle
einzuleiten, um wieder den Druck in den Sitz zu spüren, um wieder zu spüren,
wie diese Art der Freiheit nach mir greift.
Ich
fliege dahin. Ich stieg in ihr auf, und auch SIE fliegt dahin. Sie fliegt,
ich fliege. Wir waren uns dabei begegnet. Ihr welliges, helles Haar kräuselte
sich leicht im Lufthauch. Sie sagte nichts, wir schauten uns nur an. So,
wie ich von ihrer Anmut ergriffen war, so speicherte ich Energie, die mich
in bisher nie gekannte Höhen trieb. Nur ihr Anblick, unverwechselbar
durch die klaren Augen, die scharf geschnittenen und doch so weiblich
runden Züge ihres Gesichtes hatte mich ergriffen. Und die schlichte Schönheit
ihrer Figur. Sie ist für mich, und das finde ich immer wieder, wie das
Idealbild eines Segelflugzeuges. Fast widerstandslos kann es durch die
Massen des Atmosphärengases gleiten. Auch
sie ist so gebaut. Perfekt! Alles stimmt, sie braucht nur ihre Flügel
auszubreiten, nach der umgebenden Welt zu greifen und schon ist ihr das
beste Gleiten sicher. Sie ahnte das, sie hatte ihre Strategie. Zu leicht
ließ sich jeder von ihrer Erscheinung einfangen, zu sehr zog sie alle an.
Jeder wollte ihr diese Energie geben und dabei selbst etwas von ihr zurückbekommen.
Wie traumhaft musste es doch sein, mit ihrer Schönheit beladen, selbst an
einem Stück ihres Weges teilhaben zu können.
Sie
aber konnte es nicht genießen, sie war sich zu unsicher dazu, sie war
gewarnt: Die Zoten der Segelflieger, denen keine der wenigen Mädchen
in der Gruppe entgehen konnte, die sprachen ihre eigene Sprache. War
ich anders? Ich fühlte mich nie so wohl dabei, ich wollte meinen eigenen
Weg gehen, ich glaubte an das Gute, an etwas mehr Würde des Menschen, an
seine Verantwortung dabei. Ich hatte immer nur Angst, diese Schönheit bei
meinem Einwirken auf sie zu verletzen, Angst sie in ihrem Flug irgendwie
zu behindern. So verloren wir uns vor Jahren aus den Augen, unser Kurs
nahm verschiedene Richtungen ein, die Bärte, die uns trugen, waren nicht
dieselben. „2-8,
Ihr Standort, ihre Höhe?“ Da
springt etwas in mir. Sie hat mich gerufen. Trotz der Minimalqualität
dieser Funkverbindung, die mein Flugzeug mit seiner Nummer gerade
erreichte, war die Stimme zu erkennen, die mir seit kurzem wieder so viel
bedeutet, die ich nur noch in fernen Träumen der Erinnerung wähnte. „Drei Kilometer östlich des Warmbacher Sees, 1700 Meter, ich fliege auf Kurs“, gebe ich zur Antwort. Mal sehen, was sie nun sagt. Keine
Antwort. Zunächst. Hat sie mich nicht verstanden? Ist ihr mein Standort
egal? Warum rief sie mich dann? Ich aber muss gerade die Richtung etwas
korrigieren, irgendwie hat es mich nach links in ein Sinkgebiet gezogen.
Ich muss ausweichen. Genau der Weg, der so gut zum Ziel führt, ist wieder
mal nicht der Beste. Ich muss nach rechts, ein paar Grad mehr nach Süden.
Da lässt die Sicht nach, die Lichtstrahlen brechen sich diffus an
den Luftteilchen und Staubkörnchen, aber es sind auch mehr Wolken zu
sehen. Weit weg zwar noch, aber warten wir es ab, das Flugzeug wird mich
hinbringen, die Höhe reicht. Gerade, als ich meine kleine Kurskorrektur beendet habe, das Vario etwas freundlichere Werte anzeigt und ich noch einmal nachfragen will, knackt der kleine Lautsprecher hinter mir und da ist sie wieder: „2-8
von 1-7, ich bin bei Allstedt,
700 Meter, im Null“ Aha,
sie ist mir weit voraus, sie kommt eher heim. Aber sie hat Not. 700 Meter,
kein richtiges Steigen, da dauert es eine Weile, ehe der Flieger den
Funkknopf drückt und Antwort gibt. Sie
hat mich um Hilfe gerufen. Doch wenn ich Gas gebe, mit dem Knüppel förmlich
die Höhe wegdrücke, bin ich zwar bald bei ihr, dann aber sicher auf
gleicher Höhe. Andererseits kann ich ebenso in dieser Höhe enden, wenn
bis dahin nicht irgendwo ein nutzbarer Bart herumsteht. Sie wird die
gleiche Strecke geflogen sein und nichts gefunden haben. Mein
Vario ist ebenso untätig geblieben wie es der gegenwärtig wolkenlose
Teil des Himmels verkündet. Nur der Höhenmesser tut unaufhörlich sein
Werk, schon wieder fehlen 200 Meter Luft unter mir. Die sind jetzt höher,
dort wo sie dem antriebslosen Flug einfach nichts nützen. Das ist das
Abenteuer, das ist der Reiz. Ich komme ihr näher. Sie wird in der
bergigen Gegend, wo Landefelder rar sind, kein Risiko eingehen. Sie wird
sich an den schwachen Bart klammern, er sichert ja zumindest den Erhalt
der Höhe. „1-7,
wie sieht es aus, wird das Steigen besser?“ „Negativ,
es bleibt beim Null, ich suche hier weiter“, bekomme ich zur Antwort.
Ich glaube ein wenig Unsicherheit in ihrer Stimme zu hören. Wenn ich doch
nur schon da wäre, zu zweit sucht es sich besser, denke ich und
unmerklich geht mein Knüppel immer mehr nach vorn. Immerhin habe ich
schon über 160 Sachen drauf, die mich voran bringen. Da bekomme ich
rechts einen Schlag unter den Flügel. 1300 Meter. Egal, den Bart brauche
ich noch nicht, ich steuere die Thermikböhe aus, die nach mir gegriffen
hat, ich ignoriere sie. Schade um die Zeit, schade um die dann wieder
nicht kürzer werdende Entfernung zu ihr. Es
ist nicht nur die segelfliegerische Taktik, die mich weitertreibt, es ist
mehr. Sie ist da vorn. Wenn ich sie finde, kann ich ihr vielleicht helfen.
Aber noch besser, bis ich da bin, hat sie vielleicht den Bart gefunden,
der auch mich wieder in die Höhe treibt und neue Energie für die nächsten
Kilometer der Strecke liefert. Ein Dreieckflug war es, der uns heute über die Heimat führte, mit dem letzten Wendepunkt, 20 Kilometer hinter mir. Mit der Spätnachmittagssonne im Rücken geleitet uns der Fluss heimwärts, der nicht nur dem Reisenden schon immer Orientierung gab ...
asd
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